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Erfolgschancen der neuen Regierung

Hut ab, Herr Monti! Sie haben sich einen schönen Schlamassel aufgehalst, aber als EU-Kommissar hatten Sie ja auch kein Leben in der Hängematte. Als „Supermario“ sollen Sie nun Italien aus dem Schuldensumpf ziehen – ohne einen einzigen Politiker in der Regierungsmannschaft. Das ist ein starkes Stück. Wo sind denn jetzt all die Oppositions-DiPietros und Bersanis, die 17 Jahre lang gegen Silvio Berlusconi gewettert haben? Auf Tauchstation. Mit unpopulären Reformen wollen sie nichts zu tun haben, die könnten ja die Wählerklientel verärgern. „Das war der Mario, der Mario“ werden sie dann feixend sagen, wenn es den kleinen Leuten ans Portemonnaie geht und die Volksseele kocht. Feige ist das, feige und verlogen. Denn natürlich reden sie sich damit heraus, dass die Abgeordneten von Berlusconis Gnaden niemals einer Regierung ihr Vertrauen aussprechen, in der Oppositionspolitiker mitmischen. Quatsch. Monti hätte das gedeichselt – indem er aus beiden politischen Lagern Leute ins Regierungsboot geholt hätte. Aber auch Berlusconis bezahlte Applaustruppe, also die Parlamentarier aus seiner Partei „Volk der Freiheit“, lassen das Schiff Italien lieber sinken als selbst mitanzupacken. „No grazie“ haben die Volksvertreter gesagt, ein Trauerspiel, die Kapitulation der Politik. Jetzt kommen die Banker, schreiben linke Zeitungen und empören sich über die fehlende demokratische Legitimation der neuen Regierung. Schon wahr, gewählt hat die keiner. Aber nehmen wir an, es gäbe morgen einen Volksentscheid über Montis Regierungsmannschaft. Was käme dabei heraus?

„Gente per bene“, anständige Leute, nennt der Postbote die Mitglieder der neuen Regierung, die Mario Monti in Rekordzeit zusammengestellt hat. „Die kennen sich aus, die wissen, was für Italien jetzt auf dem Spiel steht“ sagt die Besitzerin des Zeitungskiosk, die mich täglich mit Lesestoff versorgt. Und eine  kurze, keineswegs repräsentative, Umfrage in der Espressobar, in der ich morgens frühstücke, ergibt: 10 zu 2 für Monti. Die beiden Monti-Gegner sind ideologische Hitzköpfe, die vom Fall der Berliner Mauer nicht viel mitbekommen haben. Der eine wünscht sich Berlusconi zurück, weil nur der angeblich die Kommunisten fernhalte, der andere wünscht sich die Kommunisten an die Macht, damit sie das perfide Komplott der internationalen Finanzwelt gegen Italien aufdecken. Fazit: wer gesunden Menschenverstand hat, ist froh, dass Monti und seine Expertentruppe nun versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Werden sie es schaffen? Sie sind auf internationalem Parkett keine Lachnummern wie die Kasperletruppe, die früher aus Rom anreiste und das Blaue vom Himmel versprach. Das wird für eine Atempause auf den Finanzmärkten sorgten. Aber dann braucht es „Fakten, Fakten, Fakten“ und das Parlament muss all die unangenehmen Reformen zur Rettung des Staatshaushaltes absegnen. Italiens größte Gewerkschaft wird auf die Barrikaden gehen, Berlusconis Unverbesserliche werden ebenfalls auf die Regierung einschlagen, und die Leute in meiner Espressobar werden sich fassungslos fragen, wo sie eigentlich leben. In Italien, dem Land des ganz normalen Wahnsinns. Bloß kann sich den heute leider niemand mehr leisten

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Ich bin wieder da

Acht Monate Funkstille sind genug. Und das in diesen Zeiten! Wo so viel spannendes, drammatisches, tragisches  passiert in Italien. Aber genau das hat mich voruebergehend zur Schweigebloggerin gemacht. Ich habe im Radio berichtet, rauf und runter, und dann keine Worte mehr gehabt. Als ich zu bloggen begann, tat ich es, weil es mir unglaublich erschien, das sich das europäische Parlament, die europäischen Staatschefs, die Politiker in Deutschland, gar nicht drum scheren, was in Italien ablaeuft. Seit Jahren, Tag fuer Tag. Demolierung der Demokratie, Selbstbereicherung und Auspluenderung der staatlichen Kassen durch die politische Klasse, Korruption, Geschenke an die Mafia etc. etc. Tja, jetzt schauen sie nach Italien, beschaeftigen sich wohl oder uebel mit der italienischen Misere,  weil ihnen sonst der Euro um die Ohren fliegt. Bancarotta con il botto, hat meine Lieblingszeitung Il fatto quotidiano so treffend geschrieben, also Bankrott mit Knalleffekt. Wer zieht jetzt den Karren aus dem Dreck? Supermario alias Mario Monti? Wie reagieren die Gewerkschaften auf knallharte soziale Einschnitte und weniger Kuendigungsschutz? Wie verhalten sich die italienischen Unternehmer? Welche Konsequenzen erleben die Italiener in ihrem Alltag? All diesen Fragen gehe ich in der naechsten Woche nach. Mit einer taeglichen Reportage auf den drei Wellen des DeutschlandRadio, ich freu mich drauf!

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